Xiaomi hat sich durch aggressive Preispolitik Marktanteile gesichert, nutzt jedoch das Betriebssystem (ehemals MIUI, nun HyperOS) als Refinanzierungskanal. Die dort implementierten „Empfehlungen“ sind tief in die Systemarchitektur integriert. Für IT-Professionals und Power-User stellt dies oft einen Bruch mit der User Experience dar. Eine saubere Systemumgebung lässt sich jedoch durch einen dreistufigen Eingriff wiederherstellen.
Inhaltsverzeichnis
Schritt 1: Entzug der Systemberechtigung für den msa-Dienst
Der Dienst msa (MIUI System Ads) fungiert als Background-Daemon, der die Schnittstelle zwischen den Xiaomi-Servern und der lokalen Benutzeroberfläche bildet. Er ist für das Pre-Fetching und die Ausspielung von Werbebannern verantwortlich.
- Der Pfad:
Einstellungen>Passwörter & Sicherheit>Autorisierung & Widerruf. - Die Hürde: Beim Versuch, den Schalter für msa umzulegen, erzwingt das System eine 10-sekündige Wartezeit. Dies ist eine bewusste psychologische Barriere.
- Technischer Hinweis: Sollte eine Fehlermeldung („Konnte Autorisierung nicht widerrufen“) erscheinen, liegt dies meist an einer kurzzeitig blockierten Serververbindung. In diesem Fall ist ein wiederholter Versuch bei stabiler WLAN-Verbindung zwingend erforderlich. Durch den Widerruf verliert der Dienst die Erlaubnis, Daten im Hintergrund zu senden oder zu empfangen.
Schritt 2: Deaktivierung der Tracking-Infrastruktur (Ad-ID)
Selbst wenn die Anzeige von Werbung unterdrückt wird, sammelt das System im Werkszustand weiterhin Telemetriedaten, um ein Nutzerprofil zu erstellen. Dies geschieht über eine anonymisierte Werbe-ID.
- Vorgehensweise: Unter
Einstellungen>Passwörter & Sicherheit>Datenschutzfindet sich der PunktWerbedienste. - Aktion: Deaktivieren Sie hier Personalisierte Werbung.
- Effekt: Hierdurch wird der Algorithmus unterbrochen, der Ihr Klickverhalten und Ihre App-Nutzung analysiert. Zwar wird die Werbe-ID nicht gelöscht, aber der Zugriff der System-Apps auf diese ID wird unterbunden, was die Erstellung von Verhaltensprotokollen unterbindet.
Schritt 3: Granulare Bereinigung der nativen App-Ökosysteme
Xiaomi integriert Werbung nicht nur global, sondern auch app-spezifisch. Jede dieser Apps verfügt über einen eigenen „Schalter“, der unabhängig von den globalen Einstellungen arbeitet.
| App-Modul | Pfad zur Deaktivierung | Ziel der Maßnahme |
| Sicherheit | App öffnen > Zahnrad > „Empfehlungen erhalten“ | Entfernt Banner beim Virenscan. |
| Dateimanager | App öffnen > Menü (oben links) > Einstellungen > Info | Deaktiviert Anzeigen in der Ordnerstruktur. |
| Downloads | App öffnen > Drei-Punkte-Menü > Einstellungen | Stoppt Werbung nach dem Herunterladen von Dateien. |
| Themes | App öffnen > Profil > Einstellungen | Unterbindet Vorschläge für kostenpflichtige Inhalte. |
Exkurs: DNS-Filterung als Master-Lösung
Für Nutzer, die eine noch radikalere Lösung ohne manuelle App-Konfiguration suchen, bietet sich die Nutzung eines privaten DNS-Servers an.
Durch das Eintragen eines Werbefilter-DNS (z. B. dns.adguard.com) unter Einstellungen > Verbindung und Teilen > Privates DNS werden die Anfragen an die bekannten Ad-Server von Xiaomi bereits auf Netzwerkebene blockiert (DNS-Sinkhole). Dies ist die effizienteste Methode, um auch hartnäckige Platzhalter zu eliminieren, kann jedoch in seltenen Fällen die Funktionalität bestimmter System-Updates beeinträchtigen.
Redaktioneller Rat: Wer ein Maximum an Privatsphäre anstrebt, sollte nach diesen Schritten zusätzlich die App-Berechtigungen für „Datennutzung“ bei den betroffenen System-Apps einschränken, um den unnötigen Payload im Hintergrund zu minimieren.
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Technikaffin seit den Zeiten von Amiga 500 und C64 – mittlerweile aber eher mit deutlichem Fokus auf die Bereich Mobilfunk und Telekommunikation. Die ersten Artikel im Telco Bereich habe ich bereits 2006 geschrieben, seit dem bin ich dem Thema treu geblieben und nebenbei läuft mittlerweile auch noch ein Telefon- und Smartphone Museum um die Entiwcklung zu dokumentieren.
