Der Schweizer Krypto-Messenger Threema bekommt einen neuen Mehrheitseigentümer. Die deutsche Beteiligungsgesellschaft Comitis Capital übernimmt das Ruder bei dem für seinen Datenschutz bekannten Dienst. Wir klären, ob die Anonymität der Nutzer nun in Gefahr ist und was sich hinter den Kulissen ändert.
Threema gilt seit Jahren als die „sichere Bank“ unter den Messengern, besonders für Nutzer, die Wert auf Privatsphäre abseits von WhatsApp und Co. legen. Nun gibt es einen Paukenschlag bei den Besitzverhältnissen: Der bisherige Investor Afinum sowie die Gründer verkaufen ihre Anteile an die Frankfurter Investmentgesellschaft Comitis Capital.
Inhaltsverzeichnis
Schweizer Recht bleibt bestehen
Die wichtigste Nachricht vorab: Threema bleibt ein Schweizer Unternehmen. Trotz der neuen Eigentümer aus Frankfurt behält die Threema GmbH ihren Sitz in Pfäffikon (Kanton Schwyz). Damit unterliegt der Messenger weiterhin der strengen Schweizer Gesetzgebung und nicht dem deutschen Recht, was insbesondere mit Blick auf die hiesigen Debatten zur Vorratsdatenspeicherung für viele Nutzer ein entscheidendes Kriterium ist.
Auch an der technischen Infrastruktur soll sich laut offiziellen Angaben nichts ändern. Die Server stehen weiterhin in Schweizer Rechenzentren, die nach ISO 27001 zertifiziert sind.
Datenschutz: Keine Kompromisse bei der Anonymität?
Ein Kernmerkmal von Threema ist die Möglichkeit, den Dienst komplett ohne Angabe einer Telefonnummer oder E-Mail-Adresse zu nutzen. Comitis Capital betonte in einem ersten Statement, dass man die „DNA von Threema“ bewahren wolle. Das bedeutet konkret:
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Diese bleibt unangetastet.
- Metadaten-Sparsamkeit: Es sollen weiterhin so wenig Daten wie möglich anfallen.
- Open Source: Die Quellcodes bleiben für jedermann einsehbar, was Manipulationen an der Verschlüsselung nahezu unmöglich macht, ohne dass es auffällt.
Private Equity: Wachstum vor Datenschutz?
Dass nun ein Private-Equity-Investor das Sagen hat, sorgt in der Community dennoch für Skepsis. Solche Gesellschaften investieren in der Regel mit dem Ziel, den Unternehmenswert innerhalb weniger Jahre massiv zu steigern, um das Investment später gewinnbringend weiterzuverkaufen.
Es ist daher davon auszugehen, dass Threema unter Comitis Capital stärker auf Wachstum getrimmt wird. Dies könnte vor allem den Bereich Threema Work (Lösungen für Unternehmen) betreffen, der bereits jetzt eine wichtige Einnahmequelle darstellt. Für Privatnutzer bleibt abzuwarten, ob das bisherige Einmal-Zahlungsmodell (App-Kauf) auf Dauer Bestand hat oder ob neue Abo-Modelle für Zusatzfunktionen eingeführt werden.
Einschätzung der Redaktion
Vorerst können Threema-Nutzer aufatmen: Technisch ändert sich durch den Besitzerwechsel nichts an der Sicherheit der App. Da das Gründer-Team weiterhin im Management vertreten ist und maßgeblich an der strategischen Ausrichtung beteiligt bleibt, ist ein plötzlicher Kurswechsel in Richtung Datenauswertung extrem unwahrscheinlich.
Dennoch zeigt der Einstieg von Comitis Capital, dass Threema dem Nischendasein endgültig entwachsen will. Ob der Spagat zwischen kommerzieller Expansion und kompromissloser Privatsphäre gelingt, werden die nächsten Monate zeigen.
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Technikaffin seit den Zeiten von Amiga 500 und C64 – mittlerweile aber eher mit deutlichem Fokus auf die Bereich Mobilfunk und Telekommunikation. Die ersten Artikel im Telco Bereich habe ich bereits 2006 geschrieben, seit dem bin ich dem Thema treu geblieben und nebenbei läuft mittlerweile auch noch ein Telefon- und Smartphone Museum um die Entiwcklung zu dokumentieren.
