Was machen eigentlich Commodore und die Commodore Smartphones?

Der stille Abschied einer Legende: Wie der Versuch, die Marke Commodore im Smartphone-Markt wiederzubeleben, scheiterte – es aber Hoffnung gibt.

Die Geschichte der Informationstechnologie ist reich an klangvollen Namen, die einst ganze Generationen prägten, um schließlich im Mahlstrom des technischen Fortschritts zu versinken. Kaum eine Marke weckt bei Computer-Enthusiasten jedoch so tiefgehende Nostalgie wie Commodore. Mit dem legendären Commodore 64 (C64) und der wegweisenden Amiga-Reihe dominierte das Unternehmen in den 1980er und frühen 1990er Jahren die weltweiten Heimcomputer-Märkte. Doch nach dem Konkurs der ursprünglichen Commodore Business Machines im Jahr 1994 begann eine tragische Odyssee des Markennamens: Er wurde über Jahrzehnte hinweg lizenziert, verkauft und für die verschiedensten Produkte zweckentfremdet – von MP3-Playern über Gaming-PCs bis hin zu vergeblichen Versuchen, Retro-Konsolen zu etablieren.

Ein besonders ambitioniertes, aber letztlich ebenso glückloses Kapitel schlug im Jahr 2015 ein britisches Unternehmen auf, das sich die Namensrechte gesichert hatte. Unter dem altbekannten Label und mit dem ikonischen Logo sollte die Marke im heiß umkämpften Smartphone-Sektor eine Renaissance erleben. Ein Blick zurück auf das Projekt zeigt, wie aus anfänglicher Fan-Euphorie über technische und strategische Hürden hinweg ein schleichender, fast unbemerkt gebliebener Abschied von der Bildfläche wurde.

Der verheißungsvolle Auftakt: Das Commodore PET (2015)

Im Sommer 2015 horchte die Tech-Welt auf: Ein neues Android-Smartphone wurde angekündigt, das den geschichtsträchtigen Namen Commodore PET trug – eine direkte Hommage an den Personal Electronic Transactor, jenen bahnbrechenden Büro- und Schulcomputer, den Commodore 1977 auf den Markt gebracht hatte. Die Erwartungen der eingeschworenen Retro-Gemeinde waren riesig. Man erhoffte sich ein Gerät, das den Geist von einst in die moderne mobile Welt transportieren würde.

Das äußere Erscheinungsbild des Smartphones stimmte zuversichtlich: Die Gehäuserückseite zierte der markante Commodore-Schriftzug nebst dem berühmten „C=“-Logo. Technisch handelte es sich beim Verkaufsstart um ein solides Mittelklasse-Gerät. Ausgestattet mit einem 5,5 Zoll großen Full-HD-Display, einem MediaTek-Octa-Core-Prozessor und einem 3.000 mAh starken Akku bot das Gerät für die damalige Zeit brauchbare Spezifikationen. Ein besonderer Clou für Fans war die Vorinstallation von zwei Emulatoren (VICE und UAE), die es erlaubten, alte C64- und Amiga-Klassiker direkt auf dem Telefon zu spielen.

Doch die Ernüchterung folgte schnell. Versierte Beobachter enttarnten das Commodore PET rasch als sogenanntes „Rebranding“. Das Gerät war im Wesentlichen baugleich mit dem chinesischen Smartphone Orgtec WaPhone. Während das chinesische Original jedoch für weit unter 200 Dollar vertrieben wurde, verlangte Commodore Business Machines für das PET zum Start stolze 300 bis 350 Euro. Die Käufer zahlten also einen massiven Aufpreis für den emotional aufgeladenen Markennamen.

Verzögerungen, Mängel und die Ernüchterung der Fans

Zu den preislichen Diskussionen gesellten sich erhebliche operative Probleme. Die Einführung des Commodore PET war von zahlreichen Verzögerungen geprägt. Liefertermine wurden wiederholt verschoben, und der Vertrieb in europäischen Ländern wie Deutschland, Italien und Frankreich gestaltete sich holprig und unzuverlässig.

Als die ersten Geräte schließlich bei den Endkunden eintrafen, trübten qualitative Mängel das Bild. Die Verarbeitung der Kunststoff-Wechselcover wirkte billig und neigte zu feinen Rissen. Das Betriebssystem, eine leicht modifizierte Version von Android 5.0 (Lollipop), lief nicht immer stabil, und die versprochene Software-Optimierung für die Emulatoren ließ zu wünschen übrig. Viele Enthusiasten, die das Smartphone aus reiner Nostalgie und Verbundenheit zur Marke gekauft hatten, fühlten sich vor den Kopf gestoßen. Anstatt innovative Technik im Geiste des Firmengründers Jack Tramiel zu liefern, schien es, als solle hier lediglich schnelles Geld mit der Sehnsucht einer alternden Fan-Generation gemacht werden.

Der Rettungsversuch: Das Commodore LEO (2016)

Um den angeknacksten Ruf zu reparieren und den Markt doch noch zu erobern, brachte das Unternehmen Ende 2016 den Nachfolger auf den Markt: das Commodore LEO. Dieses Modell war eine Reaktion auf die scharfe Kritik am Preis-Leistungs-Verhältnis des Erstlings. Das LEO wurde deutlich preiswerter positioniert und war in einigen Regionen für rund 240 bis 250 Euro erhältlich.

Das strategische Problem war zu diesem Zeitpunkt jedoch kaum noch zu reparieren. Das Vertrauen der Kernzielgruppe – der Retro-Fans – war durch die Pannen des PET-Modells nachhaltig erschüttert. Otto-Normal-Verbraucher wiederum, die keinen Bezug zur Historie von Commodore hatten, griffen in diesem Preissegment ohnehin lieber zu etablierten und aufstrebenden Marken wie Samsung, Huawei oder Xiaomi, die zu ähnlichen Preisen eine ausgereiftere Software und einen besseren Support boten. Das Commodore LEO fand kaum Abnehmer, und professionelle Testberichte oder Medienaufmerksamkeit blieben fast vollständig aus. Das Gerät entwickelte sich zu einem klassischen Ladenhüter.

Der schleichende Niedergang und das Verstummen

Betrachtet man die Entwicklung in den darauffolgenden Jahren, so zeichnet sich das Bild eines klassischen, schleichenden Rückzugs ab. Fast zweieinhalb Jahre nach der Veröffentlichung des LEO-Modells war das Gerät zwar rein formal noch immer auf der offiziellen Webseite des Unternehmens gelistet, doch kaufen konnte man es schon lange nicht mehr. Der Status verharre dauerhaft auf „Sold out“ (Ausverkauft). Eine Neuproduktion oder die Entwicklung eines Nachfolgemodells fand offensichtlich nicht statt. Auch auf den großen Handelsplattformen wie Amazon oder bei Elektronik-Fachhändlern verschwand das Commodore LEO vollständig aus den Regalen und den Suchergebnissen.

Den endgültigen Beleg für das Scheitern des Smartphone-Ausflugs lieferte die Kommunikationspolitik des Unternehmens. Die letzte offizielle Pressemitteilung stammte von Anfang 2018. Bezeichnenderweise ging es darin nicht etwa um neue Produkte, Software-Features oder zukunftsweisende Technologien, sondern um das Schließen kritischer Sicherheitslücken im Betriebssystem der Bestandsgeräte. Danach stellte das Unternehmen jegliche proaktive Pressearbeit ein. Das LEO wurde nicht mehr beworben, Werbekampagnen wurden eingefroren, und Updates für die Software blieben fortan aus.

Die aktuelle Situation: Pflegezustand und Social-Media-Rauschen

Ein Blick auf die digitale Präsenz der Marke untermauert den Eindruck, dass das Projekt Smartphone ad acta gelegt wurde. Die offizielle Webseite macht den Eindruck eines digitalen Relikts: Sie wird nicht mehr zeitgemäß gepflegt, und funktionale E-Commerce-Strukturen für Hardware existieren praktisch nicht mehr.

Auf Plattformen wie Facebook zeigt das Unternehmen zwar sporadisch Lebenszeichen, doch haben die dortigen Aktivitäten keinerlei Relevanz mehr für den Mobilfunkmarkt. Statt Ankündigungen zu neuer Technik, technologischen Innovationen oder künftigen Modellreihen dominieren dort allgemeine Posts, oberflächliche Tech-Themen oder seichte Retro-Anekdoten – und selbst diese werden in einer nur sehr niedrigen und unregelmäßigen Frequenz veröffentlicht. Es wirkt wie der Versuch, die Social-Media-Kanäle mit minimalem Aufwand künstlich am Leben zu erhalten, ohne dass eine echte geschäftliche Substanz dahintersteht. Ein neues Smartphone steht hier definitiv nicht mehr vor der Tür.

VIDEO Der Amiga 500 ist zurück

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Der historische Rückkauf durch die Community (Sommer 2025)

Die wichtigste Nachricht für Fans: Im Juli 2025 kehrte der Markenname nach jahrzehntelanger Odyssee durch die Hände verschiedener Lizenzinhaber endlich in die Hände der Community zurück.

  • Die Übernahme: Ein Zusammenschluss aus Investoren und bekannten Köpfen der Retro-Szene – angeführt von dem bekannten YouTuber Christian Simpson (Kanal: Retro Recipes, nun agierend unter dem Namen Peri Fractic) – kaufte die niederländische Besitzerfirma Commodore Corporation B.V. auf.
  • Die Rechte: Mit dem Deal, der eine siebenstellige Summe gekostet haben soll, übernahm die neu gegründete US-Firma Commodore International Corporation 100 % aller 47 originalen Commodore-Markenrechte zurück, die bis ins Jahr 1983 reichen.
  • Das Ziel: Der neue CEO erklärte, das Ziel sei es nun, Commodore nach Jahrzehnten des Missbrauchs als reine „Aufkleber-Marke“ für Billigprodukte zu schützen. Man möchte den Optimismus und die Innovation von damals zurückbringen und arbeitet (unter Einbeziehung ehemaliger Commodore-Mitarbeiter) an neuen Projekten, die dem Erbe gerecht werden.

Die Zeiten, in denen der Name Commodore für lieblos umgelabelte, fehlerhafte Android-Smartphones im Papierkorb landete, sind vorbei. Die Marke erlebt derzeit eine echte Transformation: Auf der einen Seite steht die geschäftliche Nutzung als Laptop- und Gaming-Marke, auf der anderen Seite die emotionale Heimkehr der Namensrechte direkt in die Hände von leidenschaftlichen Fans und Branchen-Veteranen, die das Erbe von C64 und Amiga bewahren wollen.

VIDEO Was ist los bei Commodore?

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2 Kommentare zu „Was machen eigentlich Commodore und die Commodore Smartphones?“

  1. Das ist kein Wunder, da der Hersteller dieser Smartphones gar keine Rechte an der Marke Commodore von der Holding, die diese verwaltet, erworben hatte, und deshalb auch mehrere Prozesse verloren hat. Zudem stimmte bei den Geräten das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht.

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