Der deutsche Mobilfunkmarkt steht vor dem nächsten großen Technologiewechsel. Nach dem vollständigen Rückbau der 3G-Netze (UMTS) im Jahr 2021 rückt nun das Dienstende der ältesten noch aktiven Mobilfunkgeneration näher: Das Global System for Mobile Communications, kurz GSM oder 2G, steht vor der schrittweisen Abschaltung. Während neuere Standards wie 4G (LTE) und 5G den modernen Alltag prägen, läutet die Abschaltung der 2G-Netze das endgültige Ende einer Pionierära der digitalen Telekommunikation ein.
Inhaltsverzeichnis
Der Fahrplan der deutschen Netzbetreiber
Die drei großen Netzbetreiber in Deutschland verfolgen bei der Außerdienststellung der GSM-Infrastruktur unterschiedliche Zeitpläne, um den Übergang für Privat- und Geschäftskunden möglichst reibungslos zu gestalten:
- Deutsche Telekom: Die Telekom plant die vollständige Abschaltung ihres 2G-Netzes für Sommer 2028. Die dadurch frei werdenden Frequenzbereiche im Spektrum um 900 MHz sollen unmittelbar für den Ausbau und die Kapazitätserhöhung von 4G und 5G umgewidmet werden. Wahrscheinlich ist die Telekom damit der erste Netzbetreiber, der sich von 2G verabschiedet.
- Vodafone: Der Düsseldorfer Konzern hat das Ende seines 2G-Netzes für den 31. Dezember 2030 terminiert. Bis zu diesem Stichtag verbleibt das GSM-Netz bei Vodafone als Sicherheitsnetz und Basisversorgung erhalten.
- O₂ Telefónica: Der Münchner Anbieter hat bislang kein starr festgelegtes Abschaltdatum genannt. O₂ führt das 2G-Netz vorerst als grundlegende Basisinfrastruktur weiter und reduziert Kapazitäten nur punktuell dort, wo Frequenzen dringend für modernere Standards benötigt werden.
- 1&1: Als vierter Netzbetreiber baut 1&1 ein reines Open-RAN-Netz auf Basis von 4G und 5G auf. Für Abdeckung außerhalb des eigenen Netzbereichs nutzt das Unternehmen National Roaming über das Netz von Vodafone, weshalb für 1&1-Kunden die Fristen des jeweiligen Netzpartners maßgeblich sind.
Gründe für die Abschaltung: Effizienz und Frequenzökonomie
Die Abschaltung eines etablierten Netzes erfolgt nicht grundlos. Haupttreiber ist der immens gestiegene Bedarf an Bandbreite für den Datenverkehr, den 2G technisch nicht mehr bewältigen kann.
- Frequenzeffizienz: GSM nutzt Frequenzspektren sehr uneffizient. Moderne Übertragungsverfahren unter 4G und insbesondere 5G können auf derselben Bandbreite ein Vielfaches an Datenmenge mit deutlich geringeren Latenzzeiten übertragen.
- Energieeinsparung: Der parallele Betrieb von vier Mobilfunkgenerationen erzeugt hohe Energiekosten und einen erheblichen CO₂-Fußabdruck. Die Abschaltung veralteter Hardware senkt den Stromverbrauch der Basisstationen spürbar.
- Kostenoptimierung: Die Wartung und Beschaffung von Ersatzteilen für teils Jahrzehnte alte GSM-Technik wird für Netzbetreiber zunehmend aufwendig und kostspielig.
Welche Systeme und Geräte von der 2G-Abschaltung betroffen sind
Auch wenn der Großteil des täglichen Sprach- und Datenverkehrs längst über LTE und 5G läuft, erfüllt 2G in bestimmten Nischen weiterhin eine kritische Funktion:
1. Ältere Mobiltelefone (Feature Phones)
Einfache Tastenhandys ohne VoLTE-Unterstützung (Voice over LTE) nutzen für Telefonate ausschließlich das 2G-Netz. Nach der Abschaltung können diese Geräte weder Anrufe tätigen noch entgegennehmen. Für reine Telefonie sind künftig mindestens 4G-fähige Endgeräte erforderlich, die den Standard VoLTE beherrschen.
2. eCall-Notrufsysteme in Fahrzeugen
Gemäß EU-Verordnung müssen seit März 2018 alle neu typgenehmigten Pkw mit dem automatischen Notrufsystem eCall ausgerüstet sein. Viele ältere Modelle greifen dabei auf 2G- bzw. 3G-Modems zurück. Fällt das 2G-Netz weg, verliert das integrierte eCall-System seine Verbindungsmöglichkeit zur Rettungsleitstelle, sofern kein Upgrade durch den Fahrzeughersteller erfolgt.
3. M2M- und IoT-Anwendungen
In der Industrie, der Logistik und der Infrastruktur nutzen Millionen von Geräten GSM-Modems zur Datenübertragung:
- Strom- und Gaszähler (Smart Meter)
- Geldautomaten und EC-Karten-Terminals
- Aufzug-Notrufsysteme
- Alarmanlagen und Überwachungssysteme
- GPS-Tracker in der Logistik und im Flottenmanagement
Betreiber dieser Systeme stehen vor der Aufgabe, die verbaute Hardware rechtzeitig vor den Abschaltterminen auf LTE-M, NB-IoT (Narrowband IoT) oder Standard-4G/5G-Module umzurüsten.
Ausblick: Die Zukunft der Mobilfunkinfrastruktur
Mit dem schrittweisen Vollzug der 2G-Abschaltung bis zum Ende des Jahrzehnts wird die Mobilfunklandschaft in Deutschland vollständig digitalisiert und auf IP-basierte Protokolle umgestellt. Die frei werdenden Frequenzblöcke ermöglichen eine lückenlosere Flächenabdeckung mit 5G sowie die Vorbereitung auf künftige Technologiestandards wie 6G. Verbrauchern und Unternehmen wird empfohlen, bestehende Hardware und Verträge frühzeitig auf die Kompatibilität mit 4G und 5G zu überprüfen.
Weitere Artikel rund um Simkarten und PIN
- Simkarte wird nicht erkannt
- Simkarte wird nicht unterstützt
- Simkarte nicht zulässig
- Nano Sim, Micro Sim und normale Simkarten – die Unterschiede
- kostenlose Simkarten
- eSIM und eSIM Prepaid Tarife
Mobilfunk-Newsletter: Einmal pro Woche die neusten Informationen rund um Handy, Smartphones und Deals!
Unser kostenloser Newsletter informiert Sie regelmäßig per E-Mail über Produktneuheiten und Sonderaktionen. Ihre hier eingegebenen Daten werden lediglich zur Personalisierung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit aus dem Newsletter heraus abmelden. Durch Absenden der von Ihnen eingegebenen Daten willigen Sie in die Datenverarbeitung ein und bestätigen unsere Datenschutzerklärung.
Immer die aktuellsten Nachrichten direkt im Smartphone.
Unsere Kanäle gibt es kostenlos hier:
Telegram: Appdated Telegram Channel
Facebook: Appdated Facebook Seite
Twitter: Appdated Twitter Channel

Technikaffin seit den Zeiten von Amiga 500 und C64 – mittlerweile aber eher mit deutlichem Fokus auf die Bereich Mobilfunk und Telekommunikation. Die ersten Artikel im Telco Bereich habe ich bereits 2006 geschrieben, seit dem bin ich dem Thema treu geblieben und nebenbei läuft mittlerweile auch noch ein Telefon- und Smartphone Museum um die Entiwcklung zu dokumentieren.
