Streit um Geschäftsgeheimnisse: Apple fordert im US-Prozess Einblick in geheime OpenAI-Hardware

Im juristischen Konflikt um angeblich entwendete Geschäftsgeheimnisse verschärft Apple den Druck auf OpenAI. Wie aus einer Anhörung vor dem Bundesgericht in San José hervorgeht, verlangt der iPhone-Konzern gerichtlichen Einblick in das bislang unter Verschlusssache entwickelte Hardware-Projekt von OpenAI. Apple begründet den Schritt damit, dass nur so geprüft werden könne, ob in dem geplanten KI-Gerät eigene, geschützte Technologien verwendet werden.

Fokus verlagert sich auf künftiges KI-Gerät

Der Prozess vor US-Bezirksrichter Edward J. Davila markiert eine strategische Wende in dem Verfahren, das Apple im Juli 2026 auf Basis des Defend Trade Secrets Act eingeleitet hatte:

  • Ursprünglicher Klagegegenstand: Vorwürfe gegen OpenAI, die Tochtergesellschaft io Products sowie die ehemaligen Apple-Ingenieure Chang Liu und Tang Yew Tan wegen des mutmaßlichen Abflusses vertraulicher Entwicklungs- und Lieferkettendaten.
  • Neuer Schwerpunkt: Die konkrete Hardware-Entwicklung. Apple-Anwalt John M. Desmarais argumentierte vor Gericht, sein Mandant könne Behauptungen von OpenAI über eine unabhängige Entwicklung ohne Einsicht in das Produkt nicht effektiv überprüfen.

Apple warnt vor irreparablen Schäden, sollten eigene Geschäftsgeheimnisse in die Serienfertigung von OpenAI einfließen. Vor Gericht betonte die Vertretung des Konzerns, dass sich einmal integriertes geistiges Eigentum nach dem Marktstart nicht mehr rückgängig machen lasse.

Hinterniss für OpenAI: Schutz des zentralen Hardware-Projekts

Für OpenAI birgt die geforderte Offenlegung erhebliche wirtschaftliche Risiken. Das Unternehmen arbeitet im Hardware-Bereich eng mit dem ehemaligen Apple-Chefdesigner Jony Ive zusammen und baut eine eigene Gerätesparte auf.

  • Gerätespezifikationen: Das für 2027 erwartete Produkt soll Berichten zufolge ohne klassischen Bildschirm auskommen und stattdessen auf eine kontextbezogene Bedienung über Mikrofone, Kameras und Sensoren setzen.
  • Prozessrisiko: Zwar greifen bei gerichtlichen Beweisaufnahmen strenge Vertraulichkeitsauflagen (Protective Orders), dennoch erhielten Apples externe Rechtsbeistände und Gutachter im Falle einer Stattschreibung detaillierte Einblicke in Baupläne und Interaktionskonzepte.

Strategische Dimension im KI-Markt

Der Rechtsstreit berührt die Kerninteressen beider Konzerne. Während OpenAI mit einer eigenen physischen Schnittstelle für künstliche Intelligenz aus der Abhängigkeit von Smartphones und Webbrowsern austreten möchte, schützt Apple seine Position im Hardware-Sektor.

Ob Richter Davila dem Antrag auf beschleunigte Offenlegung (Expedited Discovery) stattgibt, ist derzeit noch offen. Der Ausgang des Verfahrens könnte wegweisend dafür sein, wie eng Gerichte die Produktentwicklung ehemaliger Mitarbeiter von Konkurrenzunternehmen künftig überprüfen dürfen.


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