Telefónica-Deutschland-Chef kritisiert Marktstruktur: Argelich Hesse plädiert für drei Netze

Der neue Deutschland-Chef des spanischen Telekommunikationskonzerns Telefónica, Santiago Argelich Hesse, übt scharfe Kritik an den aktuellen Rahmenbedingungen des deutschen Mobilfunkmarkts. In keinem anderen großen europäischen Land gebe es derzeit vier Netzbetreiber, erklärte der Manager in München. Zudem habe sich das Modell der reinen Service-Provider – die Mobilfunktarife ohne eigene Netzinfrastruktur vertreiben – in dieser Form fast nur in Deutschland erhalten.

„Es wäre eine Lösung für das Problem, wenn sich der Markt auf drei Anbieter konsolidiert“, sagte der Deutsch-Spanier. Ein vierter Netzbetreiber sei aus wirtschaftlicher Sicht nicht erforderlich. Die derzeitige, von Politik und Regulierung forcierte Marktstruktur sorge zwar für niedrige Endverbraucherpreise, wirke jedoch klar innovations- und investitionshemmend. „Wir müssen sehen, wie wir diese ganzen Regeln und Kosten begrenzen“, so Argelich Hesse.

Keine Stellungnahme zu Fusionsspekulationen mit 1&1

Zu wiederkehrenden Spekulationen am Markt, Telefónica Deutschland könnte sich mit seiner Hauptmarke O2 und dem jüngsten Netzanbieter 1&1 [1U1.DE] zusammenschließen, wollte sich der Telefónica-Chef nicht äußern. Die 1&1-Muttergesellschaft United Internet [UTDI.DE] hatte entsprechende Überlegungen in der Vergangenheit stets zurückgewiesen.

Telefónica leidet seit rund drei Jahren spürbar unter den Folgen des Anbieterwechsels: 1&1, langjähriger Großkunde und Partner der Spanier, etabliert sich schrittweise als viertes eigenes Netz und nutzt für die verbleibende Abdeckung das Netz des Konkurrenten Vodafone. Diese Umstellung führte bei Telefónica Deutschland zu anhaltenden Umsatzeinbußen, wie Argelich Hesse einräumte. Der Negativ-Effekt dürfte jedoch zum Jahreswechsel 2026/2027 auslaufen: „Die Wende kommt 2027“, kündigte er an.

Sparkurs, KI-Einsatz und Neuausrichtung ab 2028

Argelich Hesse, der Anfang 2026 die Nachfolge von Markus Haas an der Spitze von Telefónica Deutschland angetreten hat, setzt auf ein Maßnahmenbündel gegen einen drohenden Bedeutungsverlust. „Die Zukunft muss mit Wachstum verbunden sein – was nicht einfach ist, weil der Markt nicht wächst“, betonte der CEO. „Das wird kein Sprint, sondern ein Marathon. Wir werden nicht die Größten sein.“

Nach einer tiefgreifenden Transformation ist der geplante Stellenabbau auf freiwilliger Basis im Unternehmen abgeschlossen. Ursprünglich war die Streichung von 1.100 Arbeitsplätzen bis Ende 2026 angekündigt worden, wenngleich es am Markt Berichte über eine mögliche zweite Abbau-Runde gibt. Der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) werde das Personalgefüge weiter verändern, bestätigte Argelich Hesse.

Wachstumspotenzial sieht das Management vor allem im lukrativen, bislang stark von der Deutschen Telekom [DTEGn.DE] dominierten Geschäftskundenbereich. Hier strebt Telefónica – ausgehend von einem kleinen, einstelligen Marktanteil – in den kommenden Jahren zweistellige Zuwachsraten an. Zum Vergleich: In Märkten wie Spanien oder Brasilien nimmt Telefónica in diesem Segment bereits eine führende Position ein.

Parallel dazu soll das Geschäft mit Vertriebspartnern ausgebaut werden. So bringt etwa die Kooperation mit Aldi Talk knapp zehn Millionen Kunden. Telefónica arbeitet an neuen Partnerschaftsmodellen: „Wir müssen das weiterentwickeln, weg vom reinen Prepaid an der Kasse“, so Argelich Hesse. Den Kunden sollen künftig vermehrt digitale Zusatzprodukte angeboten werden.

Gleiches gilt für das Privatkundengeschäft unter den Eigenmarken O2 und Blau. „Die Kunden sehen uns zu stark als Nur-Mobilfunk-Anbieter“, räumte der Manager ein. Während O2 künftig noch deutlicher als Premium-Marke positioniert werden soll, setzt Blau verstärkt auf KI-gestützte Angebote.

Das Jahr 2027 will Argelich Hesse nutzen, um die bestehenden Partnerschaften – sowohl im Vertrieb als auch mit den Betreibern von Mobilfunkmasten – grundlegend neu zu verhandeln. „2028 wird das Jahr, in dem sich die neue Strategie materialisiert“, resümierte der Telefónica-Chef.


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