eco-Verband kritisiert nationalem „Flickenteppich“ bei Altergrenze für Social Media

Der eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. hat zu den neu beschlossenen Eckpunkten der Bundesregierung zum Kinder- und Jugendmedienschutz Stellung bezogen. Während der Verband Initiativen zur Förderung von Medienkompetenz und KI-Bildung begrüßt, warnt er eindringlich vor geplanten nationalen Sonderregeln bei Altersgrenzen für soziale Netzwerke und fordert stattdessen eine abgestimmte europäische Lösung.

Kritik an nationalen Alleingängen bei Mindestaltern

Die Bundesregierung plant eine Übergangsregelung, die Kindern unter 13 Jahren die Nutzung sozialer Netzwerke untersagt und für Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren gestaffelte Einschränkungen vorsieht, solange auf EU-Ebene noch keine einheitliche Regelung greift. Aus Sicht des eco-Verbands droht dieser Schritt den europäischen Rechtsrahmen unnötig zu zersplittern.

Alexandra Koch-Skiba, Leiterin der eco Beschwerdestelle, betont die Notwendigkeit grenzüberschreitender Standards: „Wir brauchen einen wirksamen Kinderschutz, aber keine nationalen Alleingänge, die den europäischen Flickenteppich weiter vergrößern und vollkommen unnötigerweise europäischer Regulierung vorgreifen.“ Der Verband plädiert dafür, den im Entstehen begriffenen EU Kids Act konsequent zu unterstützen, anstatt nationale Interimsgesetze zu schaffen, die später wieder angepasst werden müssen.

Differenzierter Blick auf Algorithmen und Stärkung von Beschwerdestellen

Auch die von der Politik vorgesehenen Einschränkungen bei Empfehlungsalgorithmen betrachtet eco differenziert. Algorithmen seien nicht per se schädlich, sondern könnten maßgeblich zum Schutz von Minderjährigen beitragen, indem sie ungeeignete Inhalte automatisiert filtern und altersgerechte Angebote priorisieren. Ziel müsse daher eine verantwortungsvolle Ausgestaltung statt einer pauschalen Deaktivierung sein.

Zudem vermisst der Verband in den Eckpunkten konkrete Maßnahmen zur Stärkung unabhängiger Beschwerdestellen. Zwar plant die Bundesregierung eine kindgerechte Online-Wache der Sicherheitsbehörden, diese könne die Arbeit etablierter, unabhängiger Anlaufstellen jedoch nicht ersetzen. Die seit 30 Jahren bestehende eco-Beschwerdestelle spiele als Brückeninstanz zwischen Nutzern, Providern und Behörden im Rahmen der regulierten Selbstregulierung eine zentrale Rolle beim Entfernen rechtswidriger und jugendgefährdender Inhalte.

Lob für Medienkompetenz und „KI-Seepferdchen“

Ausdrückliches Lob findet der Verband hingegen für die stärkere Verankerung von Medienkompetenz und KI-Bildung. Das geplante „KI-Seepferdchen“, das Grundschulkindern ein erstes Verständnis für Künstliche Intelligenz vermitteln soll, sei ein richtiger Schritt, um Heranwachsende auf einen sicheren und kritischen Umgang mit digitalen Technologien vorzubereiten.

Die Weiterentwicklung von Jugendschutz und Selbstregulierung steht auch im Fokus des eco polITalks „30 Jahre Beschwerdestelle“, der am 3. November 2026 in Berlin stattfindet.


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