EU-Kommission plant Rekordstrafe gegen Google wegen DMA-Verstößen

Der US-Technologiekonzern Alphabet muss sich in Europa auf eine empfindliche finanzielle Sanktion einstellen. Einem Medienbericht zufolge plant die Europäische Union eine Rekordstrafe in hoher dreistelliger Millionenhöhe gegen die Tochtergesellschaft Google. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf Kreise der EU-Kommission berichtete, steht das Verfahren wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Act, DMA) kurz vor dem Abschluss.

Höchste Strafe im Rahmen des neuen Digitalgesetzes

Sollte die Sanktion in dieser Höhe beschlossen werden, wäre dies die bislang höchste Strafe, die die EU-Wettbewerbshüter auf Basis des DMA verhängt haben. Die offizielle Verkündung der Entscheidung soll dem Vernehmen nach noch vor der parlamentarischen Sommerpause erfolgen. Das letzte Wort in der Angelegenheit liegt bei Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Die EU-Kommission gab sich auf Anfrage schmallippig, ließ jedoch Durchsetzungswillen erkennen:

„Lediglich eine Strafe zu verhängen, löst nicht das Problem für Unternehmen und Bürger.“

Aus diesem Grund würden parallel weiterhin Gespräche mit Google geführt, um eine vollständige Einhaltung der Vorschriften zu erwirken. Die Kommission betonte, die Durchsetzung des DMA sehr ernst zu nehmen und nicht zu zögern, zeitnah die nächsten formalen Schritte einzuleiten.

Google warnt vor Nachteilen für Nutzer

Der Suchmaschinen-Riese zeigte sich kooperativ, verteidigte jedoch seine Position. Google erklärte, der Konzern sei bestrebt, die laufende Untersuchung schnellstmöglich zum Abschluss zu bringen. Man habe die eigene Suchfunktion bereits im Sinne der gesetzlichen Vorgaben modifiziert. Gleichzeitig warnte ein Unternehmenssprecher, dass diese Anpassungen mit einer spürbaren Verschlechterung des Dienstes für die Endnutzer verbunden seien.

Hintergrund: Der Kampf gegen die Marktmacht der „Gatekeeper“

Kernpunkte des VerfahrensDetails
VerfahrensbeginnOffiziell eingeleitet im März 2025.
Der VorwurfSystematische Bevorzugung eigener Dienste (z. B. Google Shopping oder Google Maps) in den Ergebnissen der Onlinesuche.
Das Ziel des DMAVerschärfung des europäischen Kartellrechts für marktbeherrschende Plattformen („Gatekeeper“), um fairen Wettbewerb zu sichern.
Mögliche HöchststrafenDer DMA erlaubt bei Erstverstößen Strafen von bis zu 10 % des weltweiten Jahresumsatzes des Gesamtkonzerns.

Die Fronten im Verfahren gelten seit Längerem als verhärtet. Erst Anfang Mai hatte die EU-Kommission mitgeteilt, sie habe Google eine Fristverlängerung eingeräumt, um verbliebene Bedenken auszuräumen. Ein zuvor eingereichter Lösungsvorschlag des US-Konzerns war bei den Aufsehern in Brüssel komplett durchgefallen, da er nicht weit genug ging, um kleinere Wettbewerber und alternative Anbieter auf dem Markt zu schützen.

EU Verfahren gegen Google in den letzten Jahren

Verfahren / KernbereichStartjahrStatusDetails & aktuelle Entwicklung
Google Shopping2010AbgeschlossenGoogle bevorzugte eigene Preisvergleiche. Die EU verhängte 2,42 Mrd. € Strafe. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) wies Googles letzte Berufung im September 2024 endgültig ab.
Google Android2015Rechtskräftig, teils offenKnebelverträge bei Android-Handys (Zwang zur Google-Suche/Chrome). Rekordstrafe von 4,125 Mrd. €. Google hat das Bußgeld bezahlt, geht aber gerichtlich noch gegen Details vor.
Google AdSense2016Abgeschlossen / GekipptKünstliche Blockaden für Werbe-Wettbewerber. Die EU verhängte 1,49 Mrd. € Strafe. Das EU-Gericht (EuG) hob das Bußgeld im September 2024 wegen Formfehlern der EU auf.
Adtech (Werbetechnologie)2021LaufendUntersuchung wegen des Verdachts, dass Google eigene Werbe-Marktplätze und Tools bevorzugt. Die EU drohte hier erstmals offen mit einer Zerschlagung (erzwungener Verkauf von Sparten).
DMA: Google Play Store2024LaufendVerfahren wegen unzulässiger Einschränkungen beim sogenannten „Steering“ (Entwickler durften Nutzer nicht auf günstigere externe Webseiten leiten) und zu hoher In-App-Gebühren.
DMA: Google Suche2025Kurz vor Abschluss(Das aktuell in den Medien diskutierte Verfahren). Vorwurf der Bevorzugung eigener Dienste (Shopping, Maps) in den Standard-Suchergebnissen. Eine dreistellige Millionenstrafe steht unmittelbar bevor.
Google-Suche: Spam-Filter2025LaufendIm November 2025 eingeleitet. Verdacht, dass Googles neue Spam-Filter-Algorithmen etablierte Nachrichtenseiten und Verlage ungerechtfertigt abstufen und wirtschaftlich schädigen.
KI-Suche & KI-Training2025LaufendIm Dezember 2025 eingeleitet. Untersuchung der neuen „KI-Übersichten“ in der Suche. Vorwurf: Google nutzt ungefragt Inhalte von Verlagen und YouTube-Videos zum KI-Training, ohne Ersteller zu vergüten.

Mobilfunk-Newsletter: Einmal pro Woche die neusten Informationen rund um Handy, Smartphones und Deals!


Unser kostenloser Newsletter informiert Sie regelmäßig per E-Mail über Produktneuheiten und Sonderaktionen. Ihre hier eingegebenen Daten werden lediglich zur Personalisierung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit aus dem Newsletter heraus abmelden. Durch Absenden der von Ihnen eingegebenen Daten willigen Sie in die Datenverarbeitung ein und bestätigen unsere Datenschutzerklärung.

Immer die aktuellsten Nachrichten direkt im Smartphone.
Unsere Kanäle gibt es kostenlos hier:

Telegram: Appdated Telegram Channel
Facebook: Appdated Facebook Seite
Twitter: Appdated Twitter Channel

Schreibe einen Kommentar