Ein drohender Mega-Streik beim Technologie-Giganten Samsung Electronics konnte in letzter Sekunde abgewendet werden. In einer historischen Einigung mit der Gewerkschaft hat der Konzern Zugeständnisse gemacht, die weit über das übliche Maß hinausgehen. Der Deal beschert den Mitarbeitern der Halbleiter-Sparte enorme Sonderzahlungen und rüttelt an den Grundfesten der südkoreanischen Unternehmenswelt.
Es stand viel auf dem Spiel für den weltgrößten Speicherchiphersteller: Ohne die Einigung hätten rund 48.000 Arbeiter für 18 Tage die Arbeit niedergelegt. Ein solch massiver Produktionsstopp hätte die globalen Lieferketten für Halbleiter empfindlich treffen können. Um dieses Szenario abzuwenden, greift das Management nun tief in die Tasche. Allein in der krisengeschüttelten Chipsparte dürfen sich die Beschäftigten über Bonuszahlungen von insgesamt bis zu 416 Millionen Dollar freuen.
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Die Kehrtwende: 10,5 Prozent vom operativen Gewinn
Unter dem enormen Druck, die Lücke bei den Bonuszahlungen zum scharfen lokalen Konkurrenten SK Hynix zu schließen, stimmte Samsung einem radikalen Kurswechsel zu. Der Konzern stellt künftig 10,5 Prozent seines operativen Gewinns im Halbleitergeschäft exklusiv für die Sonderboni der Chip-Mitarbeiter bereit.
Gleichzeitig wurde eine bisherige Obergrenze für leistungsabhängige Sparten-Boni komplett abgeschafft. Diese neue Regelung ist kein kurzfristiges Zugeständnis, sondern langfristig zementiert: Die getroffene Vereinbarung hat eine Laufzeit von zehn Jahren.
Ein Tabubruch im Umgang mit Unternehmensgewinnen
Die Einigung gilt unter Wirtschaftsexperten als regelrechter Tabubruch und weicht drastisch von globalen Gepflogenheiten ab. Es ist erst das zweite Mal in der Geschichte des Landes, dass ein südkoreanischer Großkonzern zusagt, einen Teil der Belegschaft mit einem festen Prozentsatz des Betriebsgewinns zu vergüten.
Die Brisanz liegt im Detail der Berechnung:
Der feine Unterschied bei der Bonus-Berechnung
| Bisherige & Globale Praxis | Der neue Samsung-Deal |
| Boni werden erst nach Abzug der Unternehmenssteuern vom Nettogewinn berechnet. | Boni werden direkt an den operativen Gewinn (vor Steuern) gekoppelt. |
| Aktionäre und Staat werden zuerst bedient. | Die Belegschaft sichert sich de facto vorab ihren Anteil am Unternehmensvermögen. |
Die Büchse der Pandora ist geöffnet
Kritiker und Beobachter befürchten nun weitreichende Konsequenzen für die gesamte südkoreanische Wirtschaft, die ohnehin für ihre traditionell sehr kämpferischen Lohnverhandlungen bekannt ist.
„Dies könnte ein neues Feuer bei anderen Großunternehmen in Korea entfachen. Vielleicht ist dies erst der Anfang.“
— Kim Keechang, Rechtsprofessor an der Korea University
Sogar aus der Politik kamen im Vorfeld deutliche Warnsignale. Der als gewerkschaftsfreundlich geltende südkoreanische Präsident Moon Jae-in hatte noch kurz vor dem Vertragsabschluss im Rahmen einer Kabinettssitzung erhebliche Bedenken geäußert. Er betonte, dass der operative Gewinn durchaus als ein gemeinsames Gut der Öffentlichkeit betrachtet werden könne. Diesen bereits vor Abzug der Steuern institutionell an die Belegschaft auszuschütten, sei etwas, das selbst Investoren nicht tun könnten – schließlich erhielten auch diese ihre Dividenden erst aus dem Nettogewinn.
Ob der spektakuläre Deal den dauerhaften Arbeitsfrieden sichert oder Schule macht und eine Kette von Nachahmungseffekten bei anderen Mischkonzernen (Chaebols) auslöst, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Samsung hat den akuten Großstreik zwar erfolgreich verhindert, für die Unternehmenslandschaft Südkoreas wurde damit jedoch die Büchse der Pandora geöffnet.
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Technikaffin seit den Zeiten von Amiga 500 und C64 – mittlerweile aber eher mit deutlichem Fokus auf die Bereich Mobilfunk und Telekommunikation. Die ersten Artikel im Telco Bereich habe ich bereits 2006 geschrieben, seit dem bin ich dem Thema treu geblieben und nebenbei läuft mittlerweile auch noch ein Telefon- und Smartphone Museum um die Entiwcklung zu dokumentieren.
