Die russische Antimonopolbehörde (FAS) hat ein offizielles Verfahren gegen den US-Technologieriesen Apple eingeleitet. Dem Konzern droht eine Strafzahlung von bis zu 4 Milliarden Rubel (rund 51,6 Millionen US-Dollar), falls er mutmaßlich diskriminierende Praktiken gegen russische Software und Suchmaschinen nicht einstellt. Die Eskalation folgt nur wenige Tage nach einem heftigen Streit um die Löschung populärer russischer Apps aus dem weltweiten App Store.
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Die Forderungen der Regulierungsbehörde
Der Föderale Antimonopol-Dienst Russlands wirft Apple vor, ausländische Suchmaschinen auf iPhones und iPads systematisch als Standard zu bevorzugen und russische Alternativen zu benachteiligen, da Nutzer diese erst manuell in den Einstellungen aktivieren müssen.
Die Behörde fordert von Apple die Durchsetzung folgender Maßnahmen bis zum 15. Juli:
- Vorinstallation russischer Software: Heimische Dienste, darunter lokale Suchmaschinen, der staatlich unterstützte Messenger Max und der russische App-Store, müssen ab Werk auf den Geräten verfügbar sein.
- Gleichberechtigter Marktzugang: Russische Entwickler dürfen beim Vertrieb ihrer Software über das iOS-Betriebssystem nicht blockiert oder benachteiligt werden.
Sollte Apple der Frist nicht nachkommen, droht die Behörde mit einer umsatzbasierten Millionenstrafe.
Zündstoff durch die Löschung von VK-Apps
Der jüngste Warnschuss steht in direktem Zusammenhang mit dem Vorgehen von Apple gegen den staatlich kontrollierten russischen Internetkonzern VK. Apple hatte Ende Juni zahlreiche populäre Plattformen des Konzerns – darunter das soziale Netzwerk VKontakte (oft als russisches Facebook bezeichnet), VK Music, VK Messenger, VK Video sowie den E-Mail-Dienst Mail.ru – ohne Vorwarnung weltweit aus dem App Store entfernt.
Der Kreml verurteilte den Schritt scharf als „politische Zensur“ und forderte eine offizielle Erklärung des US-Konzerns. Während VK betont, selbst niemals auf einer Sanktionsliste gestanden zu haben, verwies Apple darauf, dass die Löschungen notwendig gewesen seien, um bestehende internationale Sanktionsauflagen einzuhalten. Der CEO von VK, Wladimir Kirijenko, steht persönlich auf den Sanktionslisten der USA, der EU und Großbritanniens.
Messenger Max als Symbol für digitale Souveränität
Besonders im Fokus der russischen Behörden steht der von VK entwickelte Messenger Max. Die App, die neben Kommunikationsdiensten auch staatliche Behördengänge, digitale Identifikationsverfahren und Bezahlfunktionen bündelt, wurde von Apple bereits Anfang Juni mit Verweis auf Sanktionen gesperrt.
Für Moskau ist die erzwungene Vorinstallation von Max ein strategischer Hebel, um die Abhängigkeit der Bürger von westlichen Kommunikationsplattformen zu minimieren und die Nutzung staatlich kontrollierter Infrastrukturen zu beschleunigen.
Apples schrumpfender Fußabdruck in Russland
Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 hat Apple seine kommerzielle Präsenz in Russland drastisch reduziert, den direkten Produktverkauf gestoppt und Dienste wie Apple Pay stark eingeschränkt. Dennoch bleiben Millionen von iPhones im Land im Umlauf. Dies erzeugt eine paradoxe Dynamik: Apple betreibt kaum noch aktives Geschäft vor Ort, bleibt für Moskau aber über App-Sperren, Software-Vorgaben und Bußgelder weiterhin erpressbar.
Es ist nicht der erste regulatorische Konflikt dieser Art:
- 2023: Apple zahlte eine Strafe von 906 Millionen Rubel (ca. 12,1 Millionen Dollar) wegen des Missbrauchs einer marktbeherrschendenden Stellung im mobilen App-Markt.
- Januar 2024: Der Tech-Konzern überwies eine weitere Kartellstrafe in Höhe von 1,2 Milliarden Rubel (rund 13,4 Millionen Dollar), nachdem das Unternehmen russischen Entwicklern untersagt hatte, in ihren Apps auf alternative, günstigere Zahlungsmethoden außerhalb des App Stores hinzuweisen.
Fazit: Geopolitik im App Store
Die drohende Strafe von 52 Millionen Dollar ist für einen Billionenkonzern wie Apple finanziell verkraftbar. Das eigentliche Problem ist jedoch strategischer Natur: Apple gerät zunehmend in die geopolitische Zwickmühle zwischen den strengen westlichen Sanktionsgesetzen auf der einen und den radikalen Forderungen Moskaus nach digitaler Souveränität auf der anderen Seite. Ein Nachgeben gegenüber dem Kreml würde die ohnehin unter Druck stehende Plattform-Neutralität des iPhones massiv beschädigen.
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Technikaffin seit den Zeiten von Amiga 500 und C64 – mittlerweile aber eher mit deutlichem Fokus auf die Bereich Mobilfunk und Telekommunikation. Die ersten Artikel im Telco Bereich habe ich bereits 2006 geschrieben, seit dem bin ich dem Thema treu geblieben und nebenbei läuft mittlerweile auch noch ein Telefon- und Smartphone Museum um die Entiwcklung zu dokumentieren.
