Digitale Grenzzäune im Smartphone: Was Geoblocking bedeutet und wie es den Alltag einschränkt

Das Internet wird oft als grenzenloser Ort wahrgenommen. Doch wer im Ausland versucht, die heimische Mediathek zu nutzen oder im App Store eine bestimmte Anwendung zu laden, stößt häufig auf digitale Mauern. Dieses Phänomen wird als Geoblocking bezeichnet und betrifft sowohl Android Smartphones als auch iPhone mit iOS:

Was ist Geoblocking eigentlich?

Geoblocking ist eine Technik, mit der Anbieter den Zugriff auf Internetinhalte basierend auf dem geografischen Standort des Nutzers beschränken. Das Smartphone verrät diesen Standort entweder über die IP-Adresse (den digitalen Fingerabdruck beim Surfen) oder über die GPS-Daten. Anbieter nutzen dieses Verfahren meist aus rechtlichen Gründen, etwa wenn sie Lizenzen für Filme oder Sportübertragungen nur für ein bestimmtes Land erworben haben.

Welche Probleme verursacht Geoblocking auf dem Handy?

Für Verbraucher äußert sich die geografische Sperre auf verschiedene, oft frustrierende Weisen:

  • Eingeschränktes Streaming: Beliebte Dienste wie Netflix, YouTube oder die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender bieten im Ausland oft nur ein reduziertes Programm an. Wer im Urlaub die Lieblingsserie weiterschauen möchte, sieht oft nur den Hinweis: „Dieser Inhalt ist in Ihrem Land nicht verfügbar.“
  • App-Store-Barrieren: Manche Apps sind nur in den Stores bestimmter Länder gelistet. Dies betrifft häufig lokale Dienste wie Park-Apps, Lieferdienste oder regionale Banking-Anwendungen. Wer sein Smartphone im Ausland nutzt oder ein ausländisches Konto besitzt, kann die benötigte Software oft nicht installieren.
  • Preisdiskriminierung: Fluggesellschaften, Mietwagenanbieter und Hotelportale passen ihre Preise teilweise dem Standort des Nutzers an. Ein Nutzer in einem kaufkräftigeren Land sieht so unter Umständen höhere Preise für dieselbe Dienstleistung als jemand, der aus einer anderen Region zugreift.
  • Fehlende Funktionen in sozialen Medien: Bestimmte Musikfilter bei Instagram oder Musikbibliotheken bei TikTok stehen aufgrund unterschiedlicher Urheberrechtsabkommen nicht in jedem Land zur Verfügung.

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Die rechtliche Lage: Die EU-Portabilitätsverordnung

Innerhalb der Europäischen Union gibt es seit 2018 eine wichtige Erleichterung für Verbraucher: die Portabilitätsverordnung. Sie besagt, dass Abonnenten von kostenpflichtigen Onlinediensten (wie Sky, Netflix oder DAZN) ihre Inhalte auch während eines vorübergehenden Aufenthalts im EU-Ausland so nutzen können wie zu Hause. Dies gilt jedoch nicht für kostenlose Angebote (wie private Mediatheken) und endet meist, sobald der Aufenthalt nicht mehr als „vorübergehend“ eingestuft wird.

Wie lässt sich Geoblocking umgehen?

Es gibt zwei gängige Methoden, um die digitalen Grenzen auf dem Smartphone zu überwinden:

  1. VPN (Virtual Private Network): Ein VPN leitet den Datenverkehr über einen Server in einem anderen Land um. Das Handy erhält dadurch eine IP-Adresse aus diesem Land, wodurch dem Anbieter ein anderer Standort vorgetäuscht wird.
  2. Fake-GPS (für Android): Während ein VPN nur die IP-Adresse ändert, greifen manche Apps direkt die GPS-Koordinaten des Handys ab. Hier helfen die bereits erwähnten Fake-GPS-Apps, um auch diese Abfrage zu manipulieren (erfordert aktivierte Entwickleroptionen).

VIDEO Geoblocking umgehen für Einsteiger

Was ist Geoblocking und wie umgehst du es? (Anleitung für Einsteiger)

Ist es strafbar, Geoblocking zu umgehen?

Das Umgehen von Geoblocking stellt rechtlich gesehen eine Grauzone dar, wobei man klar zwischen strafrechtlichen Konsequenzen und zivilrechtlichen Verstößen unterscheiden muss. Eine klassische Straftat begeht ein Nutzer in der Regel nicht, wenn er beispielsweise per VPN eine Ländersperre umgeht, um auf Inhalte eines Streaming-Dienstes zuzugreifen. Es findet hierbei kein klassisches „Hacken“ statt, bei dem eine wirksame technische Schutzmaßnahme im Sinne des Urheberrechtsgesetzes mit krimineller Energie überwunden wird, da der Nutzer lediglich seine IP-Adresse verschleiert.

Problematischer ist jedoch die zivilrechtliche Ebene. Fast jeder Anbieter von digitalen Inhalten untersagt die Umgehung von Geoblocking explizit in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Wer dennoch darauf zurückgreift, begeht einen Vertragsbruch. Die wahrscheinlichste Konsequenz ist hierbei kein Gerichtsverfahren, sondern die Sperrung des Nutzerkontos durch den Anbieter. Da Unternehmen wie Netflix oder Disney+ ihre Lizenzen nur für bestimmte Regionen erwerben, sind sie vertraglich gegenüber den Rechteinhabern oft dazu verpflichtet, gegen solche Umgehungsversuche vorzugehen.

Innerhalb der Europäischen Union gibt es zwar die Geoblocking-Verordnung, die den digitalen Binnenmarkt stärken soll, doch diese klammert audiovisuelle Dienste wie Filme, Sportübertragungen und Musik bisher weitgehend aus. Das bedeutet, dass Anbieter diese Inhalte weiterhin regional beschränken dürfen. Solange ein Nutzer für einen Dienst bezahlt und lediglich eine Ländersperre umgeht, ist das Risiko einer kostenpflichtigen Abmahnung durch Rechteinhaber nach aktuellem Stand sehr gering, da der Nachweis eines konkreten Schadens schwierig ist. Dennoch bleibt die Nutzung solcher Methoden ein Verstoß gegen die Nutzungsregeln des jeweiligen Dienstleisters, den dieser jederzeit mit einem Ausschluss des Nutzers ahnden kann.


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