Die Europäische Kommission bereitet eine weitreichende Neuregelung bei der Vergabe strategisch wichtiger Mobilfunk-Frequenzen für Satellitenbetreiber vor. Insidern zufolge beabsichtigt die Brüsseler Behörde, zwei Drittel des betroffenen Frequenzspektrums exklusiv für europäische Anbieter zu reservieren. Damit soll insbesondere die technologische Souveränität Europas gestärkt und wichtige Infrastrukturprojekte wie das geplante europäische Satellitennetzwerk IRIS² abgesichert werden.
Um das verbleibende Drittel des Spektrums können sich demnach auch außereuropäische Unternehmen bewerben. Zu den potenziellen Interessenten gehören Schwergewichte wie der US-Anbieter Starlink von Tech-Milliardär Elon Musk sowie Amazon mit seinem Satellitenprojekt „Project Kuiper“ (Amazon Leo). Hintergrund der Neuverteilung ist das Auslaufen der aktuellen Lizenzen der US-Anbieter Viasat und EchoStar im kommenden Jahr, wodurch die Frequenzen ab 2027 neu ausgeschrieben werden müssen. Auch britische und norwegische Unternehmen könnten im Rahmen des verbleibenden Kontingents eine Chance auf eine Lizenzierung erhalten.
Interner Richtungsstreit in der EU-Kommission
Die Pläne spiegeln jedoch auch erhebliche interne Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Kommission wider. Während einige Kommissare eine rein europäische Vergabe forderten, um ausländische Konkurrenz komplett auszuschließen, plädierte die EU-Technologiechefin Henna Virkkunen dafür, den Markt für globale Akteure nicht gänzlich abzuriegeln. Berichten zufolge setzte sich Virkkunens moderatere Linie durch, die nun den Kompromiss der Zwei-Drittel-Aufteilung vorsieht.
Ein Sprecher der EU-Kommission, Thomas Regnier, betonte die enorme geopolitische Bedeutung der Entscheidung und erklärte, dass Satellitenkonnektivität in der heutigen Zeit ein Synonym für Resistenz, Sicherheit und Leistungsfähigkeit sei. Sie bilde ein Kernstück der europäischen Verteidigung und Souveränität.
Der Boom der „Direct-to-Device“-Technologie
Die anstehende Frequenzvergabe fällt in eine Phase, in der die sogenannte Satelliten-Telefonie über handelsübliche Smartphones weltweit rasant an Bedeutung gewinnt. Während für Telefonate und Datentransfers in unwegsamen Regionen, auf hoher See oder in Katastrophengebieten bislang klobige Spezialgeräte notwendig waren, ermöglicht es die moderne „Direct-to-Device“-Technologie (D2D), normale Mobiltelefone direkt mit Satelliten im niedrigen Erdorbit (LEO) zu verbinden.
Starlink gilt in diesem Segment als weltweiter Vorreiter und treibt den Ausbau massiv voran. Der Dienst bietet entsprechende Kapazitäten bereits in Kooperation mit großen Telekommunikationskonzernen wie der US-Tochter T-Mobile und der Deutschen Telekom an. Gleichzeitig drängt Amazon mit Hochdruck in den Markt: Der Konzern baut seine eigene Satellitenkonstellation aus und plant, ab Mitte 2026 erste Breitband-Dienste für Endkunden über sein System anzubieten.
Für die europäischen Telekommunikationsmärkte markiert die Entscheidung der EU-Kommission eine entscheidende Weichenstellung. Sie entscheidet darüber, wie stark sich US-amerikanische Konzerne auf dem Kontinent etablieren können und ob Europa in der Lage sein wird, ein konkurrenzfähiges, eigenes Netz im All zu betreiben.
Mobilfunk-Newsletter: Einmal pro Woche die neusten Informationen rund um Handy, Smartphones und Deals!
Unser kostenloser Newsletter informiert Sie regelmäßig per E-Mail über Produktneuheiten und Sonderaktionen. Ihre hier eingegebenen Daten werden lediglich zur Personalisierung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit aus dem Newsletter heraus abmelden. Durch Absenden der von Ihnen eingegebenen Daten willigen Sie in die Datenverarbeitung ein und bestätigen unsere Datenschutzerklärung.
Immer die aktuellsten Nachrichten direkt im Smartphone.
Unsere Kanäle gibt es kostenlos hier:
Telegram: Appdated Telegram Channel
Facebook: Appdated Facebook Seite
Twitter: Appdated Twitter Channel

Technikaffin seit den Zeiten von Amiga 500 und C64 – mittlerweile aber eher mit deutlichem Fokus auf die Bereich Mobilfunk und Telekommunikation. Die ersten Artikel im Telco Bereich habe ich bereits 2006 geschrieben, seit dem bin ich dem Thema treu geblieben und nebenbei läuft mittlerweile auch noch ein Telefon- und Smartphone Museum um die Entiwcklung zu dokumentieren.
