Strategiewechsel nach 20 Jahren: Amazon setzt auf eigene Prozessoren für Alexa, Kindle und Co.

Der US-amerikanische Online-Riese Amazon steht vor einer radikalen Neuausrichtung seiner Hardware-Sparte. Nach Analysen des renommierten Branchenexperten Ming-Chi Kuo plant der Konzern den ersten großen Wandel in seiner Prozessor-Beschaffungsstrategie seit zwei Jahrzehnten: Weg von externen Zulieferern, hin zu maßgeschneiderten, selbst entwickelten Chips.

Der Auslöser: Hoher Kostendruck durch den KI-Boom

Hintergrund für diesen drastischen Kurswechsel sind die enormen Investitionen, die Amazon in den Ausbau seiner KI-Rechenleistung stecken muss. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Durch die rasche Expansion im Bereich der Künstlichen Intelligenz ist Amazons Free Cashflow für die 12 Monate bis zum ersten Quartal 2026 im Vorjahresvergleich um massive 95 % auf rund 1,2 Milliarden US-Dollar eingebrochen.

Um die finanzielle Flexibilität zu wahren und den kapitalintensiven Investitionszyklus in KI weiter zu finanzieren, greift das Management nun zu Sparmaßnahmen in anderen Segmenten. Der Konzern optimiert seine Organisation und strafft die Kostenstrukturen in den Geschäftsbereichen, die nicht direkt mit KI zu tun haben – wozu auch die klassische Unterhaltungselektronik zählt.

Das neue COT-Modell für die Eigenmarken

Bisher setzt Amazon bei seinen bekannten Eigenmarken-Produkten auf extern bezogene Prozessoren von Drittanbietern. Betroffen von der neuen Strategie ist das gesamte Hardware-Portfolio:

  • E-Reader: Kindle
  • Smart-TV & Streaming: Fire TV
  • Smart-Home & Assistenten: Echo- und Alexa-fähige Produkte
  • Sicherheit: Blink und Ring

Um die Kostenstruktur nachhaltig zu verbessern, wechselt Amazon zu einem sogenannten COT-Modell (Customer-Owned Tooling). Das bedeutet, dass Amazon die Prozessoren intern selbst entwickelt und somit die volle Kontrolle über das Design behält. Ein ähnliches Modell nutzt das Unternehmen bereits erfolgreich bei seinem hauseigenen KI-Chip Trainium.

Alchip als exklusiver Partner ausgewählt

Für die Umsetzung dieses Großprojekts hat Amazon das Unternehmen Alchip als exklusiven Partner an Bord geholt. Alchip wird dabei das Backend-Design sowie die Tests der selbst entwickelten Chips übernehmen.

Das finanzielle Modell für den Dienstleister sieht zwei Säulen vor:

  1. Pauschalgebühren (NRE): Alchip erhält für jedes Designprojekt feste Gebühren für nicht wiederkehrende Ingenieurleistungen (Non-Recurring Engineering).
  2. Volumenbasierte Vergütung: Das Unternehmen profitiert zusätzlich direkt von den laufenden Prozessorlieferungen.

Start ab 2027: Millionen-Volumen erwartet

Der Startschuss für die neue Prozessor-Strategie soll im Jahr 2027 fallen. Die Dimensionen des Projekts sind gewaltig: Sobald der Übergang vollständig abgeschlossen ist, wird das jährliche Liefervolumen von Amazons hauseigenen Prozessoren auf rund 40 Millionen Einheiten geschätzt.

Während Amazon durch diesen Schritt seine Margen im Hardware-Geschäft stabilisieren und optimieren will, dürfte der Deal für den Exklusivpartner Alchip zu einem der bedeutendsten Wachstumstreiber der kommenden Jahre werden.


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