Preissteigerungen verunsichern: Apple enttäuscht trotz Rekordquartals beim Ausblick

Wegen drohender Preissteigerungen haben Verbraucher in den vergangenen Monaten verstärkt ihre iPhones und MacBooks durch neuere Modelle ersetzt. Dies verhalf Apple zu einem überraschend starken Quartalsergebnis. Die Umsätze der wichtigen Service-Sparte – zu der unter anderem der App Store und der Streaming-Dienst Apple TV+ zählen – enttäuschten jedoch. Das Gleiche galt für den Ausblick. Die Aktie des US-Elektronikkonzerns brach daraufhin im nachbörslichen Handel an der Wall Street um knapp acht Prozent ein.

Für das laufende Quartal rechnet Apple mit einem Anstieg der Konzernerlöse um neun bis elf Prozent. Der iPhone-Absatz soll voraussichtlich um etwa 15 Prozent zulegen. Analysten hatten im Vorfeld allerdings mit einem Erlösplus von zwölf Prozent beziehungsweise einem iPhone-Wachstum von 17,6 Prozent gerechnet.

Konzernchef Tim Cook begründete den verhaltenen Ausblick mit anhaltenden Lieferengpässen bei Elektronik-Bauteilen, die vorerst nicht behoben werden können. Vor allem die Produktionskapazitäten für die von Apple entwickelten Smartphone- und Laptop-Prozessoren reichen derzeit nicht aus. Apple lässt diese Chips beim taiwanischen Auftragsfertiger TSMC produzieren.

Absatzboom nur ein Strohfeuer?

In den vergangenen Monaten lief das Geschäft für den iPhone-Hersteller dagegen hervorragend: Die Einnahmen aus den iPhone-Verkäufen stiegen überraschend deutlich um knapp 22 Prozent auf 54,25 Milliarden Dollar. Der Umsatz mit den MacBook-Modellen wuchs sogar um fast 29 Prozent auf 10,35 Milliarden Dollar.

Nach Einschätzung von Bob O’Donnell, Chef-Analyst des Research-Hauses TECHnalysis, könnte es sich dabei jedoch um einen Einmaleffekt handeln. „Was passiert in diesem Quartal mit den Macs, wenn die neuen Preise voll zum Tragen kommen?“, gab der Experte zu bedenken.

Apple hatte vor einigen Wochen die Preise für mehrere Produkte angehoben, um die rasant gestiegenen Kosten für Speicherchips abzufedern. Das Hauptumsatzbringer-Produkt iPhone blieb davon zwar zunächst verschont; Experten rechnen jedoch fest damit, dass der Konzern anlässlich der Präsentation der kommenden iPhone-Generation im September auch an dieser Preisschraube drehen wird. Die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley erwarten dennoch keinen größeren Dämpfer für die Nachfrage. Die Preisgestaltung habe beim iPhone in der Vergangenheit erfahrungsgemäß nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

Längere Flaute im Service-Geschäft voraus?

Die Diskussion um den künftigen Smartphone- und Rechnerabsatz belastete auch die Beurteilung der Dienstleistungssparte. Die Einnahmen dieses besonders margenstarken Geschäftsbereichs stiegen zwar um rund zwölf Prozent, blieben mit 30,74 Milliarden Dollar jedoch etwa 500 Millionen Dollar hinter den Marktprognosen zurück.

„Investoren befürchten, dass sich das Wachstum noch weiter abschwächen könnte, wenn die iPhone-Verkäufe wieder auf ein normales Niveau zurückkehren“, erklärte Analyst Gil Luria vom Research-Haus D.A. Davidson.

Diese Sorgen rückten die an sich positiven Kennzahlen des abgelaufenen Jahresviertels in den Hintergrund. „Wir haben sowohl beim Gewinn pro Aktie als auch beim operativen Cashflow neue Rekorde für ein Juni-Quartal aufgestellt“, betonte Finanzchef Kevan Parekh. Zudem habe die Zahl der aktiven Geräte über alle wichtigen Produktkategorien und Regionen hinweg neue Höchststände erreicht. Unter dem Strich verdiente Apple 2,02 Dollar je Aktie – worin allerdings auch eine Rückerstattung zuvor erhobener US-Einfuhrzölle enthalten war.


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