US-Mammutprozess gegen Meta startet: Instagram und Facebook wegen Suchtgefahr vor Gericht

Mit der Auswahl der Geschworenen hat am Bundesgericht im kalifornischen Oakland ein potenziell historischer Prozess gegen den Online-Riesen Meta [META.O] begonnen. Insgesamt 29 US-Bundesstaaten werfen dem Mutterkonzern von Facebook und Instagram vor, seine Plattformen bewusst so gestaltet zu haben, dass sie bei Kindern und Jugendlichen Suchtverhalten auslösen. Zudem soll Meta systematisch und rechtswidrig Daten von Minderjährigen unter 13 Jahren gesammelt haben. Dem Technologiekonzern drohen im Extremfall Schadenersatzforderungen von bis zu 1,4 Billionen Dollar – eine Summe, die nahezu dem gesamten Börsenwert des Unternehmens entspricht.

Neben den finanziellen Forderungen steht für Meta die Funktionsweise seiner Plattformen auf dem Spiel. Die Kläger fordern drastische Auflagen: Neben strengen Altersprüfungen und Zeitlimits für Minderjährige verlangen die Bundesstaaten, dass sämtliche Algorithmen und KI-Modelle gelöscht werden, die auf den Nutzungsdaten minderjähriger Anwender basieren.

Meta weist sämtliche Anschuldigungen energisch zurück. Der Konzern verweist auf seine Werkzeuge für den Jugendschutz und betonte, man habe langjährig mit Eltern und Experten zusammengearbeitet. Der Vorwurf, Verbraucher getäuscht zu haben, sei juristisch unhaltbar, da „Social-Media-Sucht“ keine medizinisch anerkannte Diagnose sei. Ende Juli war der Konzern mit dem Versuch gescheitert, den Prozess in letzter Minute zu stoppen oder zu verschieben.

Whistleblower-Enthüllungen als Auslöser

Der Rechtsstreit geht maßgeblich auf die Enthüllungen der ehemaligen Meta-Managerin Frances Haugen im Jahr 2021 zurück. Haugen hatte interne Dokumente geleakt, die belegten, dass sich Meta der gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Instagram auf Jugendliche bewusst war, das Profitstreben jedoch über den Jugendschutz stellte. „Meta weiß, dass seine Plattformen Kindern und Jugendlichen schaden, sorgt aber weiterhin dafür, dass diese süchtig bleiben“, erklärte New Jerseys Generalstaatsanwältin Jennifer Davenport.

In der US-Bevölkerung trifft die Klage auf breite Unterstützung. Einer aktuellen Reuters/Ipsos-Umfrage zufolge halten 85 Prozent der US-Amerikaner Soziale Medien für potenziell suchterzeugend bei Kindern; 61 Prozent fordern ein härteres Eingreifen des Staates. Allein in den USA rollt derzeit eine Welle von Tausenden Einzel- und Sammelklagen gegen Tech-Konzerne.

Prominente Zeugen erwartet

Das auf sieben Wochen angesetzte Verfahren wird von Richterin Yvonne Gonzalez Rogers geleitet. Nach der Geschworenenauswahl sind die Eröffnungsplädoyers für den 18. August terminiert. Im weiteren Verlauf des Prozesses werden unter anderem Meta-Gründer Mark Zuckerberg und Instagram-Chef Adam Mosseri persönlich im Zeugenstand erwartet. Der Ausgang des Verfahrens gilt als Richtungsentscheidung für die gesamte Branche: Auch den Betreibern von TikTok, Snapchat und YouTube drohen bei einer Niederlage Metas ähnliche Mammutprozesse.


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