USB-Stick „sicher entfernen“: Notwendigkeit oder digitaler Aberglaube?

Die markanten Systemklänge, die das An- und Abstecken eines USB-Geräts begleiten, werden uns wohl noch lange erhalten bleiben. Doch die Praxis des „Sicheren Entfernens“ via Software-Klick scheint allmählich in den Geschichtsbüchern zu verschwinden. Während früher davor gewarnt wurde, dass ein abruptes Abziehen den Datenträger irreparabel beschädigen könnte, ziehen heute die meisten Nutzer den Stick einfach aus dem Slot (das gilt auch für andere Geräte mit USB-C Anschlüssen). Microsoft hat darauf reagiert und die Prioritäten im System verschoben. Doch was steckt technisch dahinter?

Was bedeutet „Sicheres Entfernen“ eigentlich?

Der Prozess des sicheren Entfernens stellt sicher, dass alle Schreibvorgänge des Betriebssystems auf das externe Medium vollständig abgeschlossen sind. Ein Computer schreibt Daten oft nicht sofort eins zu eins auf den Stick, sondern nutzt Pufferlösungen, um die Systemperformance nicht auszubremsen. Werden Geräte einfach abgezogen, während dieser Cache (Zwischenspeicher) noch geleert wird, droht Datenverlust oder – im schlimmsten Fall – ein beschädigtes Dateisystem (RAW-Format), das eine Neuformatierung erfordert.

Die Wende: Schnelles Entfernen vs. Bessere Leistung

Seit dem Windows 10 Update (Version 1809) hat Microsoft die Standardrichtlinie für externe Speichermedien geändert. Das gilt auch für Windows 11. Man unterscheidet heute primär zwei Betriebsmodi:

1. Schnelles Entfernen (Standard)

Dies ist die voreingestellte Option für die meisten USB-Sticks. Windows deaktiviert hierbei den Schreibcache. Daten werden direkt und ohne Umwege geschrieben.

  • Vorteil: Der Stick kann jederzeit abgezogen werden, sobald der Kopiervorgang optisch abgeschlossen ist. Das „Sichere Auswerfen“ über das Taskleisten-Symbol ist nicht mehr zwingend erforderlich.
  • Nachteil: Die Schreibgeschwindigkeit kann bei großen Datenmengen spürbar geringer ausfallen, da das System nicht im Hintergrund optimieren kann.

2. Bessere Leistung

In diesem Modus aktiviert Windows den Schreibcache. Das System meldet dem Nutzer bereits den Abschluss des Kopiervorgangs, während im Hintergrund noch Datenpakete übertragen werden.

  • Vorteil: Deutlich höhere Transferraten, was besonders bei externen NVMe-SSDs oder großen Festplatten einen massiven Zeitvorteil bringt.
  • Nachteil: Ein abruptes Abziehen ist riskant. Hier ist die Funktion „Hardware sicher entfernen“ zwingend erforderlich, um den Cache zwangsweise zu leeren, bevor die Stromverbindung getrennt wird.

Obwohl „Schnelles Entfernen“ der Standard ist, bleibt eine goldene Regel bestehen: Niemals den Stick ziehen, während die LED am Gehäuse noch blinkt oder der Fortschrittsbalken läuft. Wer mit modernen, schnellen externen SSDs arbeitet, sollte zudem prüfen, ob die Richtlinie auf „Bessere Leistung“ steht, um das volle Potenzial der Hardware zu nutzen – dann bleibt der Klick auf „Sicher entfernen“ jedoch die notwendige Pflichtaufgabe.

„Bessere Leistung“ bzw. sicheres Entfernen aktivieren

Will man den USB-Stick nur noch sicher entfernen, kann man diese Option problemlos einstellen und dabei zwischen einzelnen USB-Laufwerken wählen, wobei man die entsprechenden Laufwerksbuchstaben im Voraus wissen oder herausfinden sollte. Die Umstellung auf sichere Entfernung geht also folgendermaßen vor:

  • mit der rechten Maustaste auf Start klicken
  • in dem erschienen Fenster die Option „Datenträgerverwaltung“ auswählen
  • in dem neuen Fenster nach der entsprechenden USB-Bezeichnung suchen, finden und anschließend mit der rechten Maustaste anklicken
  • die Option „Eigenschaften“ öffnen
  • in dem Tab „Richtlinien“ kann man sich nun zwischen den beiden beschriebenen Ansätzen – Schnelles Entfernen und Bessere Leistung – entscheiden
  • hat man die Wahl getroffen, muss man nun den PC neustarten, damit die Änderungen in Kraft treten können

Sicheres Entfernen unter Windows 11

Auch unter Windows 11 gibt es diese Funktion, aber teilweise muss man sie erst wieder aktivieren um sie nutzen zu können. Microsoft schreibt dazu selbst:

  • Suchen Sie nach dem Symbol Hardware sicher entfernen auf der Taskleiste. Wenn es nicht angezeigt wird, wählen Sie Ausgeblendete Symbole einblenden aus. Drücken und halten Sie das Symbol (oder klicken Sie mit der rechten Maustaste darauf), und wählen Sie die zu entfernende Hardware aus.
  • Wenn Sie das Symbol Hardware sicher entfernen nicht finden können, halten Sie die Taskleiste gedrückt (oder klicken Sie mit der rechten Maustaste darauf), und wählen Sie Taskleisteneinstellungen aus.
  • Wählen SieTaskleistenüberlauf aus, um ihn zu erweitern. Scrollen Sie zu Windows Explorer (wenn Sie mit dem Mauszeiger darüber fahren, steht in der QuickInfo Hardware sicher entfernen und Datenträger auswerfen) und aktivieren Sie die Option.
  • Wenn dies nicht funktioniert, stellen Sie sicher, dass das Gerät alle Aktivitäten wie das Kopieren oder Synchronisieren von Dateien beendet hat. Wählen Sie Start  > Einstellungen > Bluetooth und Geräte > Geräte aus.
  • Wählen Sie neben dem Gerät Weitere und dann Gerät entfernen aus.
  • Wenden Sie sich schließlich an den Hardwarehersteller, und fragen Sie nach neuen Treibern oder anderen Updates.

Für alle Apple Nutzer

Diejenigen, die auf Apple Produkte angewiesen sind, haben leider keine Möglichkeit die Option des sicheren Entfernens zu umgehen. Die Dateien werden nach dem Prinzip von „Bessere Leistung“ zwischengespeichert und dürfen bei diesem Vorgang nicht beschädigt werden. Sollte man also dennoch den Stick aus dem Slot entfernen, kann es tatsächlich zu Problemen führen, und zwar mit dem Gerät selbst als auch mit den Dateien.

Video: Muss man USB Geräte noch sicher entfernen?

Muss man USB-Sticks sicher entfernen?

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