Ein europaweites Bündnis von Verbraucherschutzorganisationen geht rechtlich gegen die unzureichenden Kontrollen führender Tech-Konzerne vor. Google, Meta und TikTok versagen nach Ansicht der Schützer eklatant dabei, Verbraucher vor betrügerischer Finanzwerbung im Netz zu bewahren – ein klarer Verstoß gegen geltendes EU-Recht.
Der europäische Verbraucherverband BEUC hat gemeinsam mit 29 Mitgliedsorganisationen aus 27 Ländern – darunter der deutsche Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) – eine umfassende Beschwerdewelle losgetreten. Die offiziellen Eingaben richten sich sowohl an die Europäische Kommission als auch an die jeweiligen nationalen Regulierungsbehörden. Der Vorwurf wiegt schwer: Google, Meta und TikTok vernachlässigen systematisch ihre Sorgfaltspflichten und lassen zu, dass Kriminelle über ihre Werbenetzwerke ungehindert finanzielle Existenzen zerstören. Damit verstoßen die Plattformen direkt gegen die strengen Auflagen des europäischen Digital Services Acts (DSA).
„Google, Meta und TikTok gehen nicht ausreichend gegen Werbung für betrügerische Angebote wie Fakeshops oder unseriöse Finanz-Coachings vor. Das muss sich ändern. Die Anbieter müssen endlich dafür sorgen, dass Verbraucher über die Online-Plattformen nicht zu Betrugsopfern werden. Sowohl die Europäische Kommission als auch die nationalen Behörden müssen dafür sorgen, dass es Konsequenzen für die Verbreitung betrügerischer Angebote gibt“, fordert Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), spürbare Konsequenzen.
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Das Versagen in Zahlen: Anzeigen werden ignoriert
Wie massiv das Problem ist, belegt eine koordinierte Untersuchung, die das Verbraucherbündnis zwischen Dezember 2025 und März 2026 durchgeführt hat. In diesem Zeitraum identifizierten und meldeten die Experten fast 900 Werbeanzeigen, die im dringenden Verdacht stehen, gegen geltendes EU-Recht zu verstoßen. Das Ergebnis der Meldungen offenbart eine erschreckende Passivität seitens der Tech-Konzerne:
- Nur 27 Prozent der gemeldeten Fake-Anzeigen wurden von den Plattformen tatsächlich entfernt.
- Ganze 52 Prozent aller konkreten Hinweise wurden von den Anbietern schlicht abgelehnt oder komplett ignoriert.
Weil weit mehr als die Hälfte aller begründeten Warnungen folgenlos blieb, sind unverändert unzählige betrügerische Finanzmaschen auf den führenden Plattformen aktiv. Für die Nutzer bedeutet dies ein dauerhaft hohes Risiko, Opfer von Cyberkriminellen zu werden und erhebliche finanzielle Verluste zu erleiden.
„Rendite ohne Risiko“ – Die Maschen der Betrüger
Die Bandbreite der gemeldeten Fälle reicht von scheinbar seriösen Finanzprodukten bis hin zu offensichtlichen Täuschungsmanövern. Im Fokus standen vor allem Werbeformate, die eine professionelle Anlageberatung vortäuschen und mit dem Slogan „Rendite ohne Risiko“ locken. In anderen Fällen wurden hochkomplexe und extrem risikoreiche Finanzinstrumente, wie der Optionshandel, als sichere Methode beworben, um utopisch hohe monatliche Gewinne zu erzielen.
Dabei verharmlosten die Werbebeiträge die realen Verlustgefahren konsequent. Wesentliche Produktinformationen fehlten vollständig, und es blieb völlig intransparent, wie oder woher die versprochenen Renditen überhaupt erwirtschaftet werden sollten. Neben Finanzprodukten floriert auf den Plattformen auch die Bewerbung von Fakeshops und dubiosen, überteuerten Finanz-Coachings.
Forderungen an die Politik: Harte Sanktionen gefordert
Angesichts der Untätigkeit der Konzerne fordern die Verbraucherschützer nun ein konsequentes Durchgreifen der Politik. Die Europäische Kommission sowie die nationalen Koordinatoren für digitale Dienste (Digital Services Coordinators) müssen die Schutzmaßnahmen der Plattformen tiefgreifend überprüfen und sie spürbar zur Einhaltung des DSA zwingen.
Das Bündnis fordert unter anderem, dass Accounts von Wiederholungstätern konsequent und dauerhaft gesperrt werden. Zudem sollen die Plattformbetreiber dazu verpflichtet werden, proaktiv nach nahezu identischen Kopien bereits gelöschter Betrugsanzeigen zu suchen und diese sofort zu entfernen. Sollten sich die Konzerne weiterhin uneinsichtig zeigen, müsse die Europäische Kommission empfindliche Geldbußen verhängen. Auch auf nationaler Ebene verschärft sich der Ton: Der vzbv bereitet bereits eine offizielle Beschwerde bei der Bundesnetzagentur vor, die in Deutschland als zuständiger Digital Services Coordinator fungiert.
Hintergrund & Methodik der Untersuchung
Die Datenerhebung fand im Rahmen der europaweiten BEUC-Aktion „Sponsored by Scammers“ statt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband agierte hierbei in seiner offiziellen Funktion als staatlich anerkannter Vertrauenswürdiger Melder (Trusted Flagger).
- Untersuchungszeitraum: 20. Januar bis 19. Februar 2026.
- Suchstrategie Meta: Gezielte Abfrage der offiziellen Werbedatenbank nach risikobehafteten Signalwörtern wie „Rendite“ oder „ohne Risiko“. Insgesamt wurden zwölf relevante Betrugsanzeigen identifiziert und gemeldet.
- Suchstrategie TikTok: Da die dortige Werbedatenbank keine verwertbaren Treffer lieferte, filterten die Prüfer den regulären Nutzer-Feed nach den Schlagworten. Über die Funktion „ähnliche Videos“ wurden neun nicht als Werbung gekennzeichnete, mutmaßlich betrügerische Posts aufgespürt und gemeldet.
- Auswertung: Die systematische Erfassung und Qualitätsprüfung der Daten erfolgte mittels eines standardisierten Kriterienkatalogs der BEUC.
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Sportstudent und zuständig für die Tarifaktionen der einzelnen Anbieter sowie für die Kombiangebote und Bundles mit Handys und Smartphones. Mittlerweile meistens im Homeoffice, dennoch nach wie vor produktiv. Apple Fan. Falls ich eine Aktion übersehen habe – gerne Mail an mich.
