Tech-Talentkrieg verschärft sich: Apples Chef-Entwickler für Vision Pro und Smartglasses wechselt zu OpenAI

Apple verliert eine seiner wichtigsten Führungskräfte im Bereich Wearables und Spatial Computing an die KI-Konkurrenz. Wie der renommierte Tech-Insider Mark Gurman für Bloomberg berichtet, verlässt Paul Meade, Vizepräsident für Hardware-Engineering innerhalb der Vision Products Group, das Unternehmen. Bereits kommende Woche wird er seine Zelte in Cupertino abbrechen, um sich der Hardware-Sparte von OpenAI anzuschließen.

Der Wechsel markiert einen empfindlichen Rückschlag für Apples Post-iPhone-Ambitionen und unterstreicht gleichzeitig den aggressiven Vorstoß von OpenAI in Richtung eigener Consumer-Hardware.

Ein herber Verlust für Apples Wearable-Zukunft

Meades Abgang wiegt für Apple schwer, da er zu den erfahrensten Hardware-Strategen des iPhones-Herstellers zählte. Seit seinem Einstieg im Jahr 2010 leitete er unter anderem wichtige Programme für das iPad und das iPhone. Seit 2017 war er zentraler Bestandteil der Vision Products Group und übernahm 2019 die Gesamtleitung des Hardware-Engineerings für das Vision Pro-Headset.

Zuletzt zeichnete Meade nicht nur für die Weiterentwicklung der Vision Pro verantwortlich (die jüngst ein Upgrade auf den M5-Chip erhielt), sondern steuerte federführend die Entwicklung von Apples kommenden KI-gestützten Smartglasses. Diese sollen Berichten zufolge Ende 2027 auf den Markt kommen, um Metas erfolgreichen Ray-Ban-Brillen Konkurrenz zu machen.

An Bord von OpenAI soll Meade nun dabei helfen, eine völlig neue Familie von KI-nativen Endgeräten zu konzipieren. Seine jahrelange Expertise in den Bereichen Miniaturisierung, Optik, Sensorik und thermisches Design gilt in der Branche als unschätzbar wertvoll für Wearables.

Hintergrund: Unruhe nach Umstrukturierung in der Apple-Teppichetage

Branchenkennern zufolge kommt der Wechsel nicht von ungefähr, sondern steht im direkten Zusammenhang mit weitreichenden personellen Umbauarbeiten in der Apple-Führungsebene. Da sich John Ternus planmäßig auf die Übernahme des CEO-Postens vorbereitet, übernahm Apples Chip-Spezialist Johny Srouji jüngst die Rolle des Chief Hardware Officers.

Srouji stieß umgehend eine tiefgreifende Reorganisation der Hardware-Engineering-Abteilung an. Im Zuge dieses Umbaus wurden mehrere VPs neuen Berichtslinien unterstellt. Auch Meade berichtete zuletzt nicht mehr direkt an die oberste Spitze, sondern an den neu ernannten VP of Hardware Engineering, Tom Marieb. Diese interne Herabstufung im Machtgefüge soll laut Bloomberg den Ausschlag für Meades Wechselabsichten gegeben haben.

Vivos Nachfolgeregelung steht bereits: Fletcher Rothkopf, Meades langjähriger Stellvertreter und bisheriger Leiter des Produktdesigns für die Vision Pro, wird dessen Aufgaben nahtlos übernehmen, um die Kontinuität der laufenden Projekte zu wahren.

OpenAI mutiert zum Sammelbecken für Apple-Veteranen

Mit der Verpflichtung von Paul Meade setzt OpenAI eine bemerkenswerte Serie fort: Das KI-Unternehmen wildert seit Monaten gezielt im Talentpool von Apple. Im Zentrum dieser Hardware-Offensive steht eine Kooperation zwischen OpenAI-Chef Sam Altman und Apples legendärem Ex-Designchef Jony Ive, deren gemeinsames Hardware-Projekt im vergangenen Jahr für Aufsehen sorgte.

Meade trifft bei OpenAI auf eine Reihe alter Bekannter, darunter die ehemaligen Apple-Größen Tang Tan (ehemals VP of Product Design) und Evans Hankey (ehemals Industrial Design Chef). Insgesamt soll OpenAI in den vergangenen Monaten mehr als 40 Ingenieure und Designer direkt aus Cupertino abgeworben haben.

Das neue Schlachtfeld: KI-Hardware statt Smartphones

Der Wechsel verdeutlicht, wo die Tech-Giganten die Zukunft der Computer-Schnittstellen sehen. Während Apple versucht, seine Dominanz aus der Smartphone-Ära über hochentwickelte Headsets und Brillen in die Zukunft zu retten, dreht OpenAI den Spieß um: Das Unternehmen startet mit mächtigen KI-Modellen und sucht nun nach der perfekten Hardware, um diese ohne den Umweg über den App Store von Apple oder Google direkt zu den Nutzern zu bringen.

Ob es sich bei den künftigen OpenAI-Geräten um KI-Wearables, smarte Ohrhörer (interner Codename „Sweetpea“) oder ein eigenes, KI-zentriertes Smartphone handelt, bleibt abzuwarten. Mit Paul Meade hat OpenAI nun jedoch einen der profiliertesten Köpfe an Bord geholt, der weiß, wie man hochkomplexe, tragbare Technologie massentauglich macht.


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